Das Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. versteht sich von Beginn an als Interessenvertretung der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen sowie ihrer Angehörigen und Nachkommen und hat sich bereits mit seiner Gründung im November 1997  für Interessierte und besonders für die junge Generation geöffnet. Es entsprach in erster Linie dem Wunsch der ehemaligen Häftlinge, dass ihr Vermächtnis auch in Zukunft bewahrt wird und ihre Interessen auch weiterhin vertreten werden    



aktuell:

Einladung

zu einer Gedenkveranstaltung am 15. Oktober 2017 um 11.00 Uhr am Denkmal im ehemaligen Kommandanturbereich in der Gedenkstätte Sachsenhausen: 

Dem Rechtsruck entgegentreten

Erklärung des Netzwerks der Lagergemeinschaften

aus Anlass der Bundestagswahl am 24. September 2017

(siehe weiter unten)



Einladung

zu einer Gedenkveranstaltung am 15. Oktober 2017 um 11.00 Uhr am Denkmal im ehemaligen Kommandanturbereich in der Gedenkstätte Sachsenhausen: 

                                                                                     

73. Jahrestag der Ermordung von 27 deutschen und französischen Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen am 11. Oktober 1944 in der „Station Z“

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

das Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. lädt aus Anlass des 73. Jahrestages der Ermordung von 27 deutschen und französischen Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen am 11. Oktober 1944 zu einer Gedenkveranstaltung am 15. Oktober 2017 um 11.00 Uhr am Denkmal im ehemaligen Kommandanturbereich in der Gedenkstätte Sachsenhausen ein.

 

Am 27. März 1944 wurden durch die SS im Lager eine Rundfunk-Abhörstelle, sowie im Lager hergestellte Flugblätter entdeckt. Hierauf begann eine Sonderabteilung des Reichssicherheitshauptamtes unter der Bezeichnung „IV A 1a-Sonderkommando“ mit ihren Untersuchungen, um die internationale Widerstandsorganisation im Lager zu zerschlagen. Nach mehrmonatigen Untersuchungen und unter Einsatz umfangreicher Spitzeltätigkeiten gelang der Kommission nur der Nachweis, dass von deutschen Kommunisten eine Solidaritätsaktion unter den Häftlingen  organisiert wurde.

 

Im Verlauf des Jahres 1944 verstärkte sich die Tätigkeit der Sonderkommission und fand schließlich ihren Abschluss in der Ermordung der 27 Häftlinge am 11. Oktober 1944 und der Überführung von 102 Häftlingen in das KZ Mauthausen am 20. Oktober 1944.

 

Am Abend des 11. Oktobers 1944 wurden in der „Station Z“ ermordet:

 

Alfred Arendt, Heinz Bartsch, André Bergeron, Marceau Benoit, Erich Boltze, Friedrich Büker, Emil Dersch, Ernst Fürstenberg, Willi Gübsch, Arthur Henning, Rudolf Henning, Dietrich Hornig, Otto Kröbel, Erich Mohr, Rudolf Mokry, Kurt Pchalek, Emilie Robinet, Hanns Rothbarth, Josef Rutz, Wilhelm Sandhövel, Augustin Sandtner, Ernst Schneller, Josef Schup, Gustav Spiegel, Siegmund Sredzki, Mathias Thesen, Ludger Zollikofer

 

Im Verlauf der Gedenkveranstaltung werden der Leiter der Gedenkstätte und Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Prof. Dr. Günter Morsch, der Vorsitzende des Sachsenhausen-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e.V., Andreas Meyer, sowie ein Vertreter der französischen Amicale sprechen. Die Gedenkveranstaltung wird von Schülerinnen und Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums in Oranienburg und von Ingrid Scharfschwerdt (angefragt) begleitet.

 

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung am Denkmal werden am Ort der Ermordung der 27, der ehemaligen „Station Z“,  Blumen niedergelegt.

 

Wir würden uns freuen, Euch bzw. Sie zum gemeinsamen Gedenken am 15.Oktober 2017 begrüßen zu können.  

 

 


Dem Rechtsruck entgegentreten

 

Erklärung des Netzwerks der Lagergemeinschaften

aus Anlass der Bundestagswahl am 24. September 2017

 

Mit überaus großer Besorgnis nehmen wir, die Vertreter der von den ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager gegründeten Interessenverbände, den weltweiten Rechtsruck und die Erfolge der Rechtspopulisten in Europa und Deutschland zur Kenntnis.

 

Vor dem Hintergrund des ungebremsten globalen Kapitalismus haben sich Armut und soziale Ungerechtigkeit sowie die damit einhergehenden gesellschaftlichen Konflikte in den letzten Jahren erheblich verschärft. Armut, anhaltende Kriege und religiös begründete Radikalisierung führen weltweit zu instabilen Verhältnissen und großen Flüchtlingsbewegungen.

 

Eine allgemeine Verunsicherung äußert sich momentan europaweit in dem Wieder-aufleben nationalistischer und völkischer Ideologien, die sich nicht nur gegen alles vermeintlich Fremde und Andersartige und ein geeintes Europa richten, sondern auch gegen die über Jahrzehnte erkämpften Errungenschaften der demokratischen Zivilgesellschaft. Diese Werte und Errungenschaften, Offenheit und Akzeptanz, Solidarität und Mitbestimmung, Emanzipation und Schutz von Minderheiten, nicht zuletzt die Freiheit der Presse und von Wissenschaft, Kunst und Kultur, gilt es mit allen Kräften zu verteidigen und den reaktionären Tendenzen entgegenzutreten.

 

In einigen Ländern Europas sind Rechtspopulisten schon an der Regierung, in anderen konnte dies nur durch den Zusammenschluss aller demokratischen, antifaschistischen Kräfte verhindert werden. Besonders unerträglich für uns ist der Erfolg der AfD in Deutschland, die mit Islam- und Fremdenfeindlichkeit sowie weiteren rechten Positionen ein bedrohlich großes Wählerpotential erreichen kann. Ihre Vertreter bezeichnen die Gedenkkultur an die nationalsozialistischen Verbre-chen als Zeichen der Schande und fordern ein Ende der „politischen Korrektheit“.

 

Dies geschieht in einer Zeit, in der nur noch wenige Überlebende der Konzen-trationslager aus eigenem Erleiden Auskunft über die Verbrechen des Nationalsozialismus geben können.

 

Im „Vermächtnis der Überlebenden“ erklärten 2009 die Vertreter von zehn internationalen Häftlingsverbänden:

 

„ (…) Aber auch Europa hat seine Aufgabe: Anstatt unsere Ideale für Demokratie, Frieden, Toleranz, Selbstbestimmung und Menschenrechte durchzusetzen, wird Geschichte nicht selten benutzt, um zwischen Menschen, Gruppen und Völkern Zwietracht zu säen. (…) Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen.“

Wir, die wir dieses Vermächtnis fortführen, wenden uns deutlich gegen jegliche Form rechter, menschen- und demokratiefeindlicher Ideologien und Tendenzen und stellen uns dieser wachsenden Bedrohung, gemeinsam mit allen demokratisch Gesinnten, nach Kräften entgegen.

 

Nach dem sich abzeichnenden Ende der Zeitzeugenschaft kommt den KZ-Gedenkstätten und den Gedenkstätten und Museen zum NS-Terror eine noch größere Bedeutung in der Vermittlung der Geschichte zu. Daher fordern wir von der  Bundesregierung und den Landesregierungen eine intensivere Förderung dieser Gedenkstätten und Museen. Ebenso fordern wir alle Vertreter der demokratischen Parteien auf, dies zu unterstützen und sich für eine bessere Ausstattung der Gedenkstätten einzusetzen, insbesondere im Bereich der pädagogischen Arbeit. Junge Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, sich qualifiziert und differenziert mit diesem Teil der Geschichte zu beschäftigen, um sich kritisch mit den Inhalten des Rechtspopulismus auseinandersetzen zu können.

 

Unterzeichnende Verbände:

 

Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V.

Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V.

Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.

Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.

Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.

 

Unterstützer:

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes − Bund der Antifaschistinnen

und Antifaschisten e.V. (VVN -BdA)


Internationales Sachsenhausen Komitee und Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. trauern um Roger Bordage, Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees

Roger Bordage verstarb am 5. August 2017, im Alter von 92 Jahren im Kreise seiner Familie. Er gehörte zu den letzten Zeitzeugen, die noch über ihre Zeit im Konzentrationslager Sachsenhausen berichten konnten.
Roger Bordage wurde am 2. April 1925 in Paris geboren. Sein Vater war Pelzeinkäufer und seine Mutter Hutmacherin.

 Am 14. Juni 1940 marschierten deutsche Truppen in Paris ein. In Roger wuchs der Wunsch, etwas gegen die Besatzer zu unternehmen. Gemeinsam mit Freunden wollte er sich den Forces francaises libres, den Freien Französischen Streitkräften, anschließen. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg Richtung Spanien und überquerten in der Nacht zum 13. März 1943 die Grenze.

 Doch schon hier fand ihr Unternehmen ein jähes Ende. Wenige Stunden nach ihrem Grenzübertritt wurden sie verhaftet und in das Hauptquartier des Sicherheitsdienstes nach Saint-Jean Pied de Port verschleppt, wo sein Leidensweg begann. Nach brutalen Verhören führte sein Weg weiter über Bordeaux nach Compiégne.


Am 8. Mai 1943 wurde er mit einer Vielzahl von Mitgefangenen von der SS abgeholt und in einen Güterwagen gepfercht. Die 48-stündige Fahrt ging nach Deutschland, das Konzentrationslager Sachsenhausen war das Ziel. Den Weg vom Bahnhof ins Konzentrationslager musste er barfuß zurücklegen. Die SS hatte den Gefangenen die Schuhe abgenommen, um eine mögliche Flucht zu verhindern. Diese Situation hat Roger nie vergessen, sie hat sich in seinen Erinnerungen eingebrannt.

 Roger Bordage musste in den Außenlagern Heinkel und Klinker arbeiten. Die letzten Monate war er im Hauptlager gefangen, bevor er im April 1945 auf den Todesmarsch in Richtung Norden getrieben wurde. Am 3. Mai 1945 erlebte er in der Nähe von Parchim seine Befreiung. Zu der Zeit wog er, inzwischen 20 Jahre alt, nur noch 35 Kilo.

 

Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Militärhospital in Lille sah Roger Ende Mai 1945 seine Familie wieder. 1949 begann er ein Studium der Erziehungswissenschaft an der New York University und kehrte 1953 nach Frankreich zurück. Zunächst war er beim französischen Außenministerium und dann 30 Jahre lang bei der UNESCO tätig. Hier wirkte er an Entwicklungsprogrammen in Lateinamerika, Afrika und Asien mit.

 

Nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn engagierte sich Roger Bordage in der französischen Amicale und viele Jahre im Internationalen Sachsenhausen Komitee. Nach dem Tod von Pierre Gouffault wurde Roger Bordage auf der Präsidiumstagung 2010 in Oranienburg zum Präsidenten des Internationalen Sachsenhausen Komitees gewählt. 

In dieser Funktion setzte er sich unermüdlich für die Interessen der ehemaligen Häftlinge ein, war Mitglied des Beirats der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und an der Durchsetzung sowie der Gestaltung vieler Vorhaben der Gedenkstätte Sachsenhausen beteiligt, so u. a. beim Gedenkort Klinkerwerk, der 2015 eröffnet werden konnte.

 Für sein Engagement wurde Roger Bordage am 13. Juni 2014 mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet.


Zum letzten Mal besuchte Roger Bordage die Gedenkstätte Sachsenhausen, den Ort seines Leidens und seines Engagements, im April 2017. Aus Anlass des 72. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen traf er sich mit seinen Kameraden und Freunden und nahm
 an der Präsidiumstagung des Internationalen Sachsenhausen Komitees teil. Auf dieser Tagung wurde er erneut zum Präsidenten des ISK gewählt.

 Im Mai 2017 nahm er noch einmal an der Beiratssitzung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teil.

Das Internationale Sachsenhausen Komitee verliert mit Roger Bordage einen sehr geschätzten, guten und treuen Freund und einen langjährigen Mitstreiter. Er und sein reichhaltiger Erfahrungsschatz werden uns fehlen. Wir werden Roger immer in würdiger Erinnerung behalten.

Unser Mitgefühl gilt seiner lieben Frau Beatrice und der Familie.

Im Namen der Mitglieder des Präsidiums des Internationalen Sachsenhausen Komitee und des Sachsenhausen-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e.V.
Andreas Meyer

Stellvertretender Präsident Internationales Sachsenhausen Komitee

Vorsitzender Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.


Internationales Sachsenhausen Komitee und Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. trauern um Mark Tilewitsch, Ehren-Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees

Das Internationale Sachsenhausen Komitee und das Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. trauern um ihren Ehren-Vizepräsidenten und Freund Mark Tilewitsch.

Mark Tilewitsch verstarb am 7. August 2017, im Alter von 95 Jahren in Moskau. Er gehörte zu den letzten russischen Zeitzeugen, die noch über ihre Zeit im Konzentrationslager Sachsenhausen berichten konnten.

"Dieser Verlust schmerzt uns sehr. Erst am 10. Juli haben wir seinen 95. Geburtstag gefeiert, und heute weilt er schon nicht mehr unter uns. Wir trauern um ihn und denken an ihn. Er folgte gleich auf Roger Bordage. Es ist sehr schmerzvoll, einsehen zu müssen, dass eine ganze Epoche geht, dass uns diese bewundernswerten Menschen verlassen, denen unvorstellbare Leiden zuteil wurden und die trotzdem Weltbürger und Patrioten ihrer Heimat blieben“, schrieb die Vertreterin des russischen Mitgliedsverbandes im ISK, Jelena Urman.

Mark Tilewitsch wurde am 10. Juli 1922 geboren. Gerade hatte er die Schule beendet, als er mit 18 Jahren in die Roten Armee einberufen wurde. Nur wenige Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde er in Litauen verletzt und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Wehrmacht sondierte Politkommissare noch auf dem Gefechtsfeld aus und ließ sie umbringen. Mark berichtete später, dass es ein Freund war, der ihm das Abzeichen von der Uniform riss.

Mark Tilewitsch kam ins Kriegsgefangenenlager Wietzendorf. Die Gestapo suchte mithilfe der Wehrmacht und von Spitzeln unter den Gefangenen nach kommunistischen Funktionären und nach Juden. Mark Tilewitsch war beides − Politoffizier und Jude. Weil seine Eltern Atheisten waren, war er nicht beschnitten. Keiner seiner Kameraden hat ihn verraten, so dass er der Aussonderung entging und damit der Exekution.

 

Die Wehrmacht richtete im Juli 1941 das Kriegsgefangenenlager Stalag XD 310 am Rand des Truppenübungsplatzes Munster Süd ein. Zunächst ohne Unterkünfte oder andere Lagerinfrastruktur bereitzustellen, mussten hier Zehntausende sowjetische Kriegsgefangene „hausen“. Mehr als 16.000 Rotarmisten kamen dort durch Hunger, Kälte, Misshandlungen und Krankheiten ums Leben. Mark Tilewitsch kam in ein Arbeitskommando im Moor und unternahm zwei Fluchtversuche. Daraufhin wurde er formal aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und an die Gestapo übergeben.

Von der SS wurde er 1943 in das KZ Sachsenhausen überführt. Hier wurden im Herbst 1941 bereits zehntausend Angehörige der Roten Armee durch Genickschuss ermordet. Sein Leben war gefährdet. Hinzu kam die Angst, als Jude verraten zu werden, daraus hatte er nie ein Geheimnis gemacht. Deutsche politische Häftlinge sorgten dafür, dass Mark Tilewitsch aus dem Kommando zum Entladen von Zement in das Elektrikerkommando verlegt werden konnte. Später gehörte er zum illegalen internationalen Lagerkomitee.

 

Im April 1945 wurde er von der SS gemeinsam mit tausenden Mitgefangenen auf den Todesmarsch Richtung Norden getrieben. Mark Tilewitsch verließen die Kräfte. Er kaute Baumrinde gegen den immer stärker werdenden Hunger. Zwei Kameraden entrissen ihn  dem sicheren Tod − die SS erschoss alle marschunfähigen Häftlinge – und schleppten ihn über Stunden bis zu einem Waldstück, wo sie die Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen wurde er schließlich durch Angehörige der Roten Armee befreit.

Nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion studierte er Journalistik. Er lebte in Moskau und war viele Jahre stellvertretender Chefredakteur der populären Automobilzeitschrift „Za Ruljom“.

 

Mark Tilewitsch war Jahrzehnte als Vertreter der Sowjetunion/Russland im Internationalen Sachsenhausen Komitee aktiv. 2015 wurde er, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisen durfte, zum Ehren-Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees ernannt.

Darüber hinaus war Mark Tilewitsch lange Jahre Mitglied des internationalen Beirats der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Bis zuletzt war er als Zeitzeuge eng mit einer Moskauer Schule verbunden, die mit ihren Schülern eine Ausstellung über das KZ Sachsenhausen erstellte. Daraus ging die Mark-Tilewitsch-Stiftung hervor.

 

Das Internationale Sachsenhausen Komitee verliert mit Mark Tilewitsch einen sehr guten, treuen und geschätzten Freund und einen langjährigen Mitstreiter. Er und sein reichhaltiger Erfahrungsschatz, seine freundliche, zugewandte Art werden uns fehlen. Wir werden Mark immer in würdiger Erinnerung behalten.

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Im Namen der Mitglieder des Präsidiums des Internationalen Sachsenhausen Komitee und des Sachsenhausen-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Andreas Meyer

 

Stellvertretender Präsident Internationales Sachsenhausen Komitee

 

Vorsitzender Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.


Gedenkveranstaltung und Einweihung des Denkmals für die am 11. Oktober 1944 ermordeten 27 Häftlinge.

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