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Das Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland trauert um sein Vorstandsmitglied und seinen Freund Jonny Valentin.

Jonny Valentin verstarb am 12.Januar 2019 im Alter von 94 Jahren in Magdeburg. Er gehörte zu den letzten deutschen Zeitzeugen, die noch über ihre Zeit im Konzentrationslager Sachsenhausen berichten können.

Jonny Valentin wurde am 11.6.2024 in Hamburg geboren. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs emigrierte er gemeinsam mit seinen Eltern nach Norwegen. Am 9. April 1940 begann im Rahmen des „Unternehmen Weserübung“ die Besetzung Norwegen. Jonny Valentin musste – damals 16-jährig – als Dolmetscher für die Deutschen arbeiten. Gleichzeitig beteiligte er sich an der illegalen Arbeit des norwegischen Widerstandes. Er unterstütze die Herstellung und Verteilung von Flugblättern. In den Flugblättern wurden die deutschen Soldaten zum Aufgeben aufgefordert. Nach seiner Entdeckung wurde er als politischer Häftling in das Polizeihäftlingslager und spätere Konzentrationslager Grini eingeliefert. Aus diesem südwestlich von Oslo gelegenen Lager wurde er 1942 in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführt. Nach seiner Ankunft in Sachsenhausen musste er im Schuhprüferkommando und später im Kellnerkommando arbeiten. Im Kellnerkommando beteiligte er sich an Solidaritätsaktionen. So schmuggelte er eine am Bein mittels Verband befestigte Wurst ins Krankenrevier.  

Bis vor einigen Jahren war er als Zeitzeuge eng mit Schülerinnen und Schülern – insbesondere aus Sachsen-Anhalt und Norwegen – verbunden. In Magdeburg lebend, führte er bis ins hohe Alter als Zeitzeuge durch die Gedenkstätte Sachsenhausen. Neben seiner Zeitzeugenarbeit leitete er über viele Jahre als Betroffener die Selbsthilfegruppe Colitis Ulcerosa/Morbus Crohn und organisierte für die Mitglieder der Gruppe ein vielfältiges Angebot von Fach- und Freizeitaktivitäten.

Jonny Valentin war viele Jahre im Vorstand des Sachsenhausen-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e.V. aktiv.  Wir verlieren mit Jonny Valentin einen sehr guten, treuen und geschätzten Freund und einen langjährigen Mitstreiter. Er und sein reichhaltiger Erfahrungsschatz, seine freundliche, zugewandte Art werden uns fehlen. Wir werden Jonny  immer in würdiger Erinnerung behalten.  

Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie  – insbesondere bei seiner Frau Helga, die Jonny immer wieder nach Sachsenhausen begleitet hat.

Im Namen der Mitglieder des Sachsenhausen-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Andreas Meyer

Vorsitzender Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen in Deutschland rufen auf zur Verteidigung der Demokratie.

 

Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt nehmen als Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einer verbrecherischen Vergangenheit eine wichtige Bildungsaufgabe für die Gegenwart wahr. Ihre Arbeit folgt der aus den Erfahrungen des Nationalsozialismus gewonnenen Verpflichtung unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (Art.1 GG).

 

Lernen aus der Geschichte der NS-Verbrechen heißt auch Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen, wenn eine nachhaltige Schwächung unserer offenen Gesellschaft droht. Wir wissen aus der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, dass Demokratien mit Standards wie dem Grundgesetz, den europäisch und international verankerten Menschenrechten, Minderheitenschutz, Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung mühsam erkämpft wurden und fortdauernd geschützt und ausgestaltet werden müssen.

 

Immer offener etablieren sich in der Gesellschaft Haltungen, Meinungen und Sprechgewohnheiten, die eine Abkehr von den grundlegenden Lehren aus der NS-Vergangenheit befürchten lassen. Wir stellen mit Sorge fest:

- ein Erstarken rechtspopulistischer und autoritär-nationalistischer Bewegungen und Parteien, - eine verbreitete Abwehr gegenüber Menschen in Not sowie die Infragestellung und Aufweichung des Rechts auf Asyl,

- Angriffe auf Grund- und Menschenrechte,

- die Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit,

- eine damit einhergehende Abwertung von Demokratie und Vielfalt.

 

Hinzu kommt ein öffentlich artikulierter Geschichtsrevisionismus, der die Bedeutung des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus als grundlegende Orientierung der deutschen Gesellschaft in der Gegenwart angreift und durch ein nationalistisches Selbstbild ersetzen möchte.

 

Diesen aktuellen Entwicklungen treten wir mit unserer täglichen Arbeit in der historisch-politischen Bildung entgegen. Aber sie erfordern darüber hinaus politisches und bürgerschaftliches Handeln. Wir appellieren daher an die Akteure in Politik und Gesellschaft, das Wissen um die historischen Erfahrungen mit ausgrenzenden Gesellschaften wie dem Nationalsozialismus für die Gegenwart zu bewahren und sich für die Verteidigung der universellen Grund- und Menschenrechte einzusetzen.

 

Verabschiedet von der 7. Bundesweiten Gedenkstättenkonferenz am 13.12.2018